Gießen ist beim Eigenanbau die Aufgabe, die am meisten Zeit kostet und bei der am meisten schiefgehen kann. Zu viel Wasser, und die Wurzeln ersticken. Zu wenig, und die Pflanze lässt die Blätter hängen. Und wehe, man ist mal ein paar Tage nicht zu Hause. Genau deshalb setze ich auf das Autopot-System. In diesem Beitrag erkläre ich, wie es funktioniert, was mir daran gefällt, wo die Schwächen liegen und warum die AirDome-Erweiterung für mich einen echten Mehrwert bringt.
Mein Autopot-Setup
- Autopot XL mit 3 Töpfen, also genau so viele, wie das Konsumcannabisgesetz für den privaten Eigenanbau erlaubt
- 25 Liter Volumen pro Topf, jeder mit eigener Schale und eigenem Ventil
- 30-Liter-Tank als Vorrat für die Nährlösung
- Substrat: Erde und Perlite im Verhältnis 60 : 40
Wie das Ganze mit Licht, Lüftung und Controller zusammenspielt, siehst du auf meiner Seite Mein Setup.
So funktioniert Autopot
Das Geniale an Autopot ist, wie simpel es ist: Es braucht weder Strom noch Pumpe noch Zeitschaltuhr. Alles läuft über die Schwerkraft und ein kleines Schwimmerventil.
Der Tank steht etwas höher als die Töpfe. Von ihm führt ein Schlauch zu jedem Topf. Jeder Topf steht in einer eigenen Schale, und in dieser Schale sitzt das Herzstück des Systems: das AQUAvalve, ein Ventil mit Schwimmer.
- Die Schale ist leer: Der Schwimmer liegt unten, das Ventil ist offen, und Nährlösung fließt aus dem Tank in die Schale.
- Die Schale ist voll: Bei etwa 2 cm Füllhöhe hebt sich der Schwimmer und verschließt das Ventil.
- Die Pflanze trinkt: Über das Substrat saugt sich die Pflanze das Wasser von unten nach oben, so viel sie braucht.
- Die Schale ist wieder komplett leer: Erst jetzt öffnet das Ventil erneut, und das Spiel beginnt von vorn.
Der entscheidende Punkt ist Schritt 4: Das Ventil füllt nicht nach, solange noch etwas in der Schale steht. Dadurch entsteht ein natürlicher Wechsel aus nass und trocken. In den trockeneren Phasen bekommen die Wurzeln Luft, und das ist für gesundes Wachstum mindestens genauso wichtig wie das Wasser selbst. Weil jeder Topf sein eigenes Ventil hat, versorgt sich jede Pflanze unabhängig von den anderen: Eine große, durstige Pflanze bekommt automatisch mehr als eine kleinere.
Unten in jedem Topf liegt außerdem eine Root Control Disc, eine Matte, die verhindert, dass die Wurzeln durch die Löcher im Topfboden in die Schale und ins Ventil wachsen.
Die Vorteile
- Kein Strom, keine Technik, die ausfallen kann. Kein Pumpendefekt und keine falsch eingestellte Zeitschaltuhr. Auch bei einem Stromausfall wird weiter gegossen.
- Jede Pflanze bekommt, was sie braucht. Die Ventile arbeiten einzeln, also gibt es kein Über- oder Untergießen einzelner Pflanzen, nur weil sie unterschiedlich groß sind.
- Kaum Arbeit. Statt täglich mit der Gießkanne durchs Zelt zu gehen, fülle ich nur den Tank auf, je nach Phase und Pflanzengröße alle paar Tage.
- Kein Abwasser. Da von unten gegossen wird und die Pflanze sich nimmt, was sie braucht, läuft kein Drainwasser durchs Zelt, das man auffangen und entsorgen muss.
- Gesunde Wurzeln durch den Nass-Trocken-Wechsel. Die Wurzeln stehen nicht dauerhaft im Wasser, sondern bekommen regelmäßig Sauerstoff.
- Urlaubstauglich. Ein paar Tage weg zu sein ist kein Problem, solange genug im Tank ist.
- Robust und langlebig. Das System besteht im Grunde aus Kunststoffteilen ohne Elektronik. Die Ventile lassen sich auseinandernehmen und reinigen und halten bei guter Pflege viele Durchläufe.
Die Nachteile
So begeistert ich bin: Perfekt ist das System nicht. Diese Punkte sollte man kennen.
- Das Substrat muss passen. Weil das Wasser von unten kommt, saugt sich das Substrat ständig voll. Normale, dichte Erde wird dadurch schnell zu nass, und die Wurzeln bekommen zu wenig Luft. Man braucht eine sehr luftige Mischung mit viel Perlite. Deshalb mische ich 60 % Erde mit 40 % Perlite, deutlich mehr als beim Gießen von oben üblich.
- Am Anfang muss man trotzdem von Hand gießen. Junge Pflanzen haben noch keine Wurzeln, die bis nach unten reichen. Die ersten ein bis zwei Wochen nach dem Umtopfen wird deshalb von oben gegossen, und das System bleibt noch zu. Erst wenn die Wurzeln unten angekommen sind, übernimmt Autopot.
- Alle Pflanzen bekommen dieselbe Nährlösung. Da alle Töpfe aus einem Tank versorgt werden, kann man nicht einer Pflanze mehr Dünger geben als einer anderen. Bei unterschiedlichen Sorten oder Entwicklungsstadien ist das ein Kompromiss.
- Weniger Kontrolle über die Wassermenge. Das Ventil entscheidet, nicht ich. Wer gern jeden Tropfen selbst bestimmt, muss sich daran gewöhnen, dem System zu vertrauen.
- Reinigung und Pflege. Nährlösung hinterlässt mit der Zeit Ablagerungen und Kalk in Schläuchen und Ventilen. Nach jedem Durchlauf sollten Tank, Leitungen und Ventile gründlich gereinigt werden. Durchsichtige oder helle Tanks und Schläuche fördern außerdem Algen, deshalb gehört die Nährlösung ins Dunkle.
- Der Tank muss höher stehen. Ohne Gefälle kein Druck. Der Tank muss etwas über den Ventilen stehen, und dafür muss man im oder neben dem Zelt erst einmal Platz finden.
- Die Anschaffung. Im Vergleich zu ein paar Töpfen und einer Gießkanne ist ein Autopot-System natürlich teurer. Dafür hält es dann aber auch viele Durchläufe.
Die AirDome: kleines Teil, großer Unterschied
Die größte Schwäche von Systemen, die von unten gießen, ist der untere Teil des Topfes: Dort ist das Substrat fast immer feucht, und Feuchtigkeit verdrängt Luft. Genau hier setzt die AirDome an.
Die AirDome ist eine kleine, kuppelförmige Spirale aus porösem Schlauch, umhüllt von einem feinen Netz. Sie wird ganz unten in den Topf gelegt, unter das Substrat, und über einen dünnen Luftschlauch an eine kleine Luftpumpe angeschlossen, ähnlich wie bei einem Aquarium. Die Pumpe drückt Luft in die Kuppel, und die tritt über die gesamte Oberfläche fein verteilt ins Substrat aus. Beim XL-Topf kommt die AirDome zusammen mit der AirBase zum Einsatz, einer runden Einlage, unter der sie Platz findet.
Was sie bringt
- Sauerstoff genau dort, wo er fehlt: Die Luft kommt direkt in den feuchten unteren Bereich, in dem sich sonst schnell Staunässe bildet.
- Weniger Risiko für Wurzelprobleme: Wurzelfäule und schädliche Erreger wie Pythium lieben nasses, sauerstoffarmes Substrat. Mehr Luft im Wurzelraum macht es ihnen deutlich schwerer.
- Mehr nutzbarer Wurzelraum: Wenn der untere Teil des Topfes gut belüftet ist, wachsen die Wurzeln auch dort kräftig, statt diesen Bereich zu meiden. Die 25 Liter werden besser ausgenutzt.
- Mehr Sicherheit beim Substrat: Die zusätzliche Luft gleicht aus, wenn die Mischung mal etwas zu dicht geraten ist.
Was man beachten sollte
- Mit der AirDome braucht das System eben doch etwas Strom, nämlich für die Luftpumpe. Die verbraucht aber nur wenige Watt und ist kaum zu hören.
- Die Pumpe sollte höher stehen als die Töpfe, oder man setzt ein Rückschlagventil in den Luftschlauch. Sonst kann bei abgeschalteter Pumpe Wasser zurück in die Pumpe laufen.
- Der Hersteller empfiehlt, die Pumpe über eine Zeitschaltuhr nur während der Lichtphase laufen zu lassen.
- Auf die Ertragsversprechen in manchen Shops (teils ist von „bis zu 25 %“ mehr die Rede, teils von noch viel mehr) würde ich nicht viel geben. Unabhängige Tests dazu habe ich keine gefunden.
Mein Fazit zur AirDome
Für mich bringt die AirDome einen echten Mehrwert. Sie behebt genau die eine Schwachstelle, die das Autopot-System von Haus aus hat: zu wenig Luft im unteren, dauerfeuchten Teil des Topfes. Gerade bei großen 25-Liter-Töpfen, in denen viel Substrat lange nass bleibt, macht das den Unterschied. Die Kosten sind überschaubar, der Aufwand ist gering. Wer sich ein Autopot-System zulegt, sollte die AirDome meiner Meinung nach gleich mit einplanen.
Meine Tipps für den Start
- Luftiges Substrat verwenden. Kokos oder Erde immer mit reichlich Perlite mischen. Lieber zu luftig als zu dicht.
- Pflanzen erst anwachsen lassen. Nach dem Umtopfen ein bis zwei Wochen von oben gießen und das System erst öffnen, wenn die Wurzeln unten angekommen sind.
- Vor dem ersten Einsatz testen. Das System einmal nur mit Wasser laufen lassen und kontrollieren, ob alle Ventile sauber öffnen und schließen und nichts tropft.
- Ventile sauber halten. Zwischen den Durchläufen alles zerlegen und reinigen. Die feine Düse im Ventil mit einem Pfeifenreiniger säubern, niemals aufbohren.
- Tank abdunkeln und abdecken. Kein Licht an die Nährlösung lassen, dann haben Algen keine Chance.
- Regelmäßig nachschauen. Automatisch heißt nicht unbeaufsichtigt. Ein kurzer Blick in die Schalen und auf den Tankfüllstand gehört bei mir trotzdem zur Routine.
Fazit
Autopot ist für mich die perfekte Lösung für mein Ziel: wenig Stress und gute Ergebnisse. Das System ist simpel, kommt ohne Strom aus und versorgt jede Pflanze genau nach Bedarf. Die Nachteile, also passendes Substrat, die Anwachsphase und regelmäßige Reinigung, sind bekannt und gut beherrschbar. Mit der AirDome wird aus einem guten System für mich ein richtig gutes.
Hinweis: Ich baue ausschließlich im gesetzlichen Rahmen des KCanG an und gebe nichts weiter. Dieser Beitrag dient nur der Information über Technik und Erfahrungen und ist keine Werbung. Mehr dazu auf meiner Seite Grow.





