Selbst anbauen darf ich natürlich erst seit der Legalisierung im April 2024. Interessiert hat mich das Thema aber schon viele Jahre vorher. Bei meinem Setup sind mir zwei Dinge wichtig: möglichst wenig Stress und gute Ergebnisse. Deshalb läuft fast alles automatisch: Licht, Klima und Bewässerung regeln sich weitgehend selbst, ich kontrolliere nur noch und greife ein, wenn es nötig ist.
Das ist mein festes Grundsetup, das ich dauerhaft nutze und nicht für jeden Durchlauf neu zusammenstelle. Hier die einzelnen Teile, jeweils mit einer kurzen Erklärung, was sie tun und warum ich sie nutze.
Zelt: Secret Jardin, 120 × 120 × 200 cm
Das Zelt ist die Basis von allem: ein lichtdichter, geschlossener Raum mit eigenem Klima. Secret Jardin ist ein französischer Hersteller, der seit vielen Jahren Growzelte baut. Die Zelte sind innen mit stark reflektierendem Mylar ausgekleidet, das das Licht der Lampen zurück auf die Pflanzen wirft, statt es von den Wänden schlucken zu lassen.
Mit 1,44 m² Grundfläche ist genug Platz für die drei erlaubten Pflanzen, ohne dass sie sich gegenseitig Licht wegnehmen. Die zwei Meter Höhe geben Raum für die Lampen, die Abluft oben und genug Abstand zwischen Licht und Pflanzenspitzen.
Licht: 3 × HortiOne 600 V3
- Leistung: rund 220 Watt pro Lampe, zusammen also etwa 660 Watt
- Lichtausbeute: etwa 600 µmol/s pro Lampe bei rund 2,9 µmol/J
- Bauform: lange, schmale Leiste (ca. 94 cm), weißes Vollspektrum mit zusätzlichen tiefroten 660-nm-LEDs
- Steuerung: über ein passendes Adapterkabel am AI-Controller, darüber gedimmt und geschaltet
Die HortiOne ist eine LED-Leiste, die bei Growern für ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt ist. Die wichtigste Zahl ist dabei nicht die Wattzahl, sondern die Lichtausbeute in µmol/J: Sie gibt an, wie viel für Pflanzen nutzbares Licht (PAR) pro eingesetzter Energie herauskommt. Rund 2,9 µmol/J ist ein sehr effizienter Wert, also viel Licht bei vergleichsweise wenig Strom und Abwärme.
Das Spektrum ist überwiegend neutralweiß, ähnlich wie Tageslicht. Die zusätzlichen tiefroten LEDs (660 nm) liegen genau in dem Bereich, den Pflanzen für die Photosynthese besonders gut nutzen, vor allem in der Blüte. Drei Leisten nebeneinander verteilen das Licht gleichmäßig über die ganze Fläche, sodass es keine dunklen Ecken gibt. Weil der Controller die Lampen dimmt, kann ich die Lichtmenge an die Phase anpassen: weniger für junge Pflanzen, volle Leistung in der Blüte. Den Lichtzyklus, also wie viele Stunden das Licht an ist, übernimmt ebenfalls der Controller.
Steuerung: AC Infinity AI Controller
Der Controller ist das Gehirn des Setups. An ihm hängen die Lampen, die beiden Umluftventilatoren und die Abluft, außerdem die Sensoren. Er ist im WLAN und lässt sich per App von überall bedienen: Ich sehe jederzeit Temperatur, Luftfeuchte und Verläufe als Diagramm und bekomme eine Nachricht, wenn ein Wert aus dem Ruder läuft.
Das Besondere ist das „AI“ im Namen: Statt Geräte nur stur nach festen Regeln ein- und auszuschalten, lernt der Controller, wie das Zelt auf Änderungen reagiert, zum Beispiel wie schnell es warm wird, wenn das Licht angeht. Daraus regelt er die Geräte stufenlos in zehn Stufen genau so weit hoch oder runter, wie es nötig ist, damit die Zielwerte nicht über- oder unterschritten werden. Neben Temperatur und Luftfeuchte kann er auch nach dem VPD regeln (Dampfdruckdefizit). Das ist ein Wert, der Temperatur und Luftfeuchte zusammenfasst und angibt, wie stark die Pflanze über ihre Blätter Wasser verdunstet. Liegt der VPD im richtigen Bereich, nehmen die Pflanzen Wasser und Nährstoffe optimal auf.
Ein weiterer Vorteil: Die Programme sind im Gerät selbst gespeichert. Fällt das WLAN aus, läuft alles einfach weiter.
Lüftung & Klima
Auch Lüftung und Klima sind von AC Infinity und hängen deshalb direkt am Controller.
Abluft: Cloudline Pro S6 (AI-CLS6)
- bis zu 683 m³/h Luftleistung bei nur 32 dBA
- 503 Pa statischer Druck, maximal 70 W
Die Abluft saugt oben im Zelt die warme, feuchte Luft ab und zieht dadurch frische Luft von außen nach. Damit regelt sie Temperatur und Luftfeuchte und sorgt dafür, dass die Pflanzen immer genug CO₂ bekommen. Rechnerisch könnte sie das ganze Zelt (knapp 2,9 m³) mehrmals pro Minute austauschen. Im Alltag läuft sie deshalb meist nur auf niedriger Stufe, und der Controller dreht sie nur bei Bedarf hoch. Der EC-Motor ist dabei leise und sparsam. Der hohe statische Druck ist wichtig, damit die Luftleistung auch dann erhalten bleibt, wenn Schläuche und Filter Widerstand erzeugen.
Umluft: 2 × Cloudray S6
Zwei Clip-Ventilatoren, die an den Zeltstangen befestigt sind. Sie bewegen die Luft im Zelt, damit sich keine warmen oder feuchten Luftpolster zwischen den Blättern bilden, in denen sich Schimmel wohlfühlt. Die sanfte Bewegung stärkt außerdem die Stiele. Die Cloudray schwenkt automatisch hin und her, hat zehn Geschwindigkeiten und verschiedene Windmodi, die natürlichen Wind nachahmen. Mit rund 11 W Verbrauch und etwa 31 dBA ist sie sparsam und leise.
Ent- und Befeuchtung
Ein Entfeuchter bzw. Befeuchter steht außerhalb des Zelts und kommt nur zum Einsatz, wenn es nötig ist. So bleibt im Zelt mehr Platz, und die Abwärme des Entfeuchters landet nicht direkt bei den Pflanzen. Meistens bekommt der AI-Controller das Klima aber schon allein über Abluft und Umluft sehr gut in den Griff.
Bewässerung: Autopot XL mit 30-Liter-Tank
Das Autopot-System gießt meine Pflanzen ganz ohne Strom, Pumpe oder Zeitschaltuhr, nur mit Schwerkraft. Der Tank steht etwas höher als die Töpfe, ein Schlauch führt zu jedem Topf. Unter jedem Topf sitzt in einer Schale ein kleines Schwimmerventil, das AQUAvalve:
- Ist die Schale leer, öffnet das Ventil und lässt Nährlösung nachlaufen.
- Steht die Lösung etwa 2 cm hoch, schließt der Schwimmer das Ventil.
- Die Pflanze saugt sich das Wasser von unten über das Substrat.
- Erst wenn die Schale komplett leer ist, öffnet das Ventil wieder.
Durch diesen Wechsel aus nass und trocken bekommen die Wurzeln immer wieder Luft, statt dauerhaft im Wasser zu stehen. Und weil jeder Topf sein eigenes Ventil hat, bekommt jede Pflanze genau so viel, wie sie selbst verbraucht. Die XL-Töpfe fassen 25 Liter und geben den Wurzeln viel Platz. Der 30-Liter-Tank ist ein Vorrat für mehrere Tage, ich muss also nicht täglich gießen, sondern nur ab und zu nachfüllen. Genau das ist mit „wenig Stress“ gemeint.
Substrat: Floragard Growmix + Plagron Perlite (60 : 40)
Als Substrat mische ich 60 % Erde mit 40 % Perlite.
- Floragard Growmix ist eine leicht vorgedüngte Erde, die speziell für den Anbau im Zelt gedacht ist. Sie enthält schon von Haus aus etwas Perlite für eine lockere Struktur und Trichoderma-Pilze, nützliche Bodenpilze, die die Wurzeln unterstützen und vor schädlichen Pilzen schützen sollen.
- Plagron Perlite ist aufgeschäumtes Vulkangestein: kleine, weiße, sehr leichte Körnchen. Perlite ist chemisch neutral, gibt also keine Nährstoffe ab und verändert den pH-Wert praktisch nicht. Es lockert das Substrat auf, sorgt für Luft an den Wurzeln und dafür, dass überschüssiges Wasser gut abläuft.
40 % Perlite ist mehr, als man bei normalem Gießen von oben nehmen würde. Beim Autopot ist das aber gewollt: Weil die Pflanzen das Wasser von unten aufnehmen, muss das Substrat besonders luftig sein, sonst wird es unten zu nass und die Wurzeln bekommen zu wenig Sauerstoff.
Dünger: Hydroponic Research VBX + Shine
Gerade mache ich den ersten Durchlauf mit den Düngern von Hydroponic Research. Vorher habe ich mit Plagron Terra gedüngt, einer klassischen Flüssigdünger-Serie für den Anbau in Erde.
- VBX ist ein Grunddünger in Pulverform, der alle Phasen von Wachstum bis Blüte abdeckt. Statt zwischen verschiedenen Flaschen zu wechseln, wird nur die Dosierung angepasst. Calcium und Magnesium sind schon enthalten, außerdem Fulvosäure, die die Aufnahme der Nährstoffe verbessern soll. Laut Hersteller ist VBX speziell auf LED-Licht und Tropf- bzw. Systembewässerung abgestimmt, passt also gut zu meinem Setup.
- Shine ist ein Blütezusatz, der nur in der Blütephase dazukommt (laut Hersteller ungefähr Blütewoche 3 bis 7) und die Pflanze in dieser Phase zusätzlich unterstützt.
Ein Vorteil von Pulverdünger: Er ist hoch konzentriert, lange haltbar und deutlich ergiebiger als Flüssigdünger. Er wird abgewogen und direkt im Tank aufgelöst. Wie sich der Wechsel im ersten Durchlauf bewährt, berichte ich, sobald ich Erfahrungen gesammelt habe.
Messgeräte & Sensoren
- Temperatur- und Feuchtesensor (AC Infinity): Er hängt auf Höhe der Pflanzen und liefert dem Controller die wichtigsten Werte, aus denen er auch den VPD berechnet.
- CO₂- und Lichtsensor (AC Infinity): Er misst den CO₂-Gehalt der Luft in ppm. So kann der Controller die Abluft gezielt einsetzen, wenn frische Luft gebraucht wird, statt einfach dauerhaft durchzulüften. Der Lichtsensor erkennt zusätzlich, ob gerade Tag oder Nacht im Zelt ist, damit für beide Phasen unterschiedliche Zielwerte gelten können.
- Handmessgeräte: Dazu nutze ich ein paar kleine Messgeräte ohne bekannten Hersteller, um die Werte der Sensoren ab und zu gegenzuprüfen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Alle Angaben zu den Geräten stammen aus den Herstellerangaben und meinen eigenen Erfahrungen. Die Marken nenne ich nur, damit nachvollziehbar ist, womit ich arbeite. Das hier ist keine Werbung und keine Kaufempfehlung, sondern einfach mein Setup.





