Anzucht: Vom Samen bis zum Keimling

Anzucht – vom Samen bis zum Keimling: Samen, Keimling und Jiffy-Ballen

Am Anfang ist alles am empfindlichsten. Ein Samenkorn hat noch keine Reserven, ein Keimling noch keine richtigen Wurzeln, und kleine Fehler bei Wasser, Temperatur oder Licht wirken sich sofort aus. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ich meine Samen zum Keimen bringe und wie es weitergeht, bis die jungen Pflanzen in ihrem ersten 0,5-Liter-Topf stehen. Wie sie danach in die Autopots umziehen, erkläre ich in einem eigenen Beitrag.

Mein Ablauf auf einen Blick

SchrittDauerTemperaturLuftfeuchteLicht
1. Einweichen in Seedbooster-Lösung12–24 StundenWasser ca. 23 °C–dunkel
2. Jiffy7–14 Tage22–26 °C70–80 %18:6, schwach
3. 0,5-Liter-Topfca. 2 Wochen22–26 °C65–75 %18:6, langsam steigern

Schritt 1: Samen einweichen

Zuerst kommen die Samen für 12 bis 24 Stunden in ein Glas mit Wasser, dem ich Plagron Seedbooster Plus zugebe. Das Glas stelle ich an einen warmen, dunklen Ort. Die Samen saugen sich voll, die harte Schale wird weich, und der Keim kann leichter durchbrechen. Bei mir ist nach dieser Zeit meistens schon eine Wurzel von 0,5 bis 1 cm zu sehen.

Was ist Seedbooster Plus?

Seedbooster Plus ist ein mineralischer Starterdünger von Plagron, speziell für die allererste Lebensphase einer Pflanze. Er hat ein NPK-Verhältnis von 5-4-7 und liefert Nährstoffe, die der frisch gekeimte Sämling sofort aufnehmen kann, bevor er eigene Wurzeln gebildet hat, mit denen er sich aus dem Substrat versorgt.

  • Dosierung laut Hersteller: Flasche gut schütteln, 7 Tropfen auf 1 Liter Wasser. Für ein Glas mit ein paar Samen reicht entsprechend weniger, es kommt auf das Verhältnis an.
  • Wassertemperatur: Plagron empfiehlt Wasser mit etwa 23 °C. Kaltes Leitungswasser direkt aus dem Hahn bremst die Keimung.
  • Weiterverwenden: Laut Hersteller kann man die Lösung auch noch bis ein paar Tage nach der Keimung zum Anfeuchten nutzen, zum Beispiel beim Vorbereiten der Jiffys.
  • Kleine Flasche, lange Freude: Bei 7 Tropfen pro Liter hält die 10-ml-Flasche sehr lange.

Ehrlicherweise: Wie viel schneller es mit Seedbooster tatsächlich geht, lässt sich schwer messen. Die Angaben in manchen Shops halte ich für Werbung. Gute, frische Samen keimen auch in reinem Wasser. Für mich ist der Seedbooster ein kleiner, günstiger Helfer, mit dem die Samen gleichmäßig und zuverlässig starten.

Tipps zum Einweichen

  • Nicht zu lange einweichen. Länger als etwa 24 Stunden sollten die Samen nicht im Wasser liegen, sonst fehlt ihnen Sauerstoff, und sie können Schaden nehmen.
  • Schwimmende Samen sinken meist nach ein paar Stunden von allein ab. Man kann sie auch vorsichtig mit dem Finger antippen.
  • Glas beschriften, wenn mehrere Sorten gleichzeitig keimen. Später sehen alle Keimlinge gleich aus.
  • Wurzel nicht anfassen. Die feine Spitze ist sehr empfindlich. Gekeimte Samen am besten mit einer sauberen Pinzette am Samenkorn greifen oder vorsichtig mit einem Löffel aus dem Glas holen.

Schritt 2: Ab in den Jiffy

Sobald die Wurzel zu sehen ist, setze ich den Samen vorsichtig in einen Jiffy.

Update: Inzwischen nutze ich statt Jiffys Eazy Plugs, weil sie für mich einfacher zu handhaben sind. Warum ich umgestiegen bin und wie man sie benutzt, erkläre ich in meinem Beitrag Jiffy oder Eazy Plug? Der restliche Ablauf bleibt gleich.

Was ist ein Jiffy?

Ein Jiffy ist eine gepresste Quelltablette, die in einem feinen, verrottbaren Netz steckt. Die klassische Jiffy-7 besteht aus Torf mit etwas Dünger, daneben gibt es torffreie Varianten auf Kokosbasis. Im trockenen Zustand ist die Tablette nur eine flache Scheibe. Mit Wasser quillt sie in wenigen Minuten auf das Mehrfache ihrer Höhe auf und wird zu einem kleinen, lockeren Anzuchtballen.

  • Kein Mischen, kein Befüllen: Einweichen, Samen rein, fertig.
  • Locker und luftig: Die feine Struktur ist ideal für zarte, junge Wurzeln.
  • Umtopfen ohne Stress: Der ganze Ballen wandert mitsamt Netz in den nächsten Topf. Die Wurzeln wachsen durch das Netz hindurch und werden beim Umsetzen nicht gestört.
  • Leicht vorgedüngt: Für die ersten Wochen braucht der Keimling keinen zusätzlichen Dünger.

So setze ich den Samen ein

  1. Jiffy quellen lassen: Die Tablette mit dem Loch nach oben in lauwarmes Wasser legen und aufquellen lassen. Dafür kann man auch die restliche Seedbooster-Lösung nehmen.
  2. Überschüssiges Wasser ausdrücken: Den Jiffy leicht zusammendrücken. Er soll feucht sein wie ein ausgewrungener Schwamm, nicht tropfnass. Zu viel Nässe ist am Anfang der häufigste Fehler.
  3. Loch vorbereiten: Das Loch oben etwas auflockern, sodass es etwa 0,5 bis 1 cm tief ist.
  4. Samen einsetzen: Den Samen mit der Wurzel nach unten vorsichtig hineinsetzen. Die Wurzel dabei nicht abknicken.
  5. Leicht abdecken: Das Loch locker mit etwas Material vom Rand schließen, ohne festzudrücken.

Nach ein bis drei Tagen schiebt sich der Keimling aus dem Jiffy und klappt die beiden runden Keimblätter auf. Oft hängt am Anfang noch die Samenschale an den Blättern. Die fällt in der Regel von allein ab. Nur wenn sie nach ein paar Tagen noch fest sitzt, kann man sie vorsichtig mit leicht angefeuchteten Fingern lösen.

Wie lange im Jiffy?

Der Keimling bleibt im Jiffy, bis dieser ordentlich durchgewurzelt ist, bei mir in der Regel 7 bis 14 Tage. Das erkennt man gut daran, dass die ersten weißen Wurzelspitzen seitlich und unten durch das Netz wachsen. Spätestens dann ist es Zeit für den nächsten Topf, sonst fangen die Wurzeln an, sich im kleinen Ballen zu verknoten.

Beim Gießen gilt in dieser Phase: wenig und gezielt. Der Jiffy darf nie ganz austrocknen, aber auch nicht im Wasser stehen. Am einfachsten prüft man das am Gewicht. Wird er spürbar leichter und heller, gibt es ein paar Schluck Wasser, am besten von unten in die Schale, damit der Ballen es aufsaugen kann.

Schritt 3: Umtopfen in den 0,5-Liter-Topf

Ist der Jiffy durchgewurzelt, kommt die junge Pflanze in einen 0,5-Liter-Topf mit Erde. Der kleine Topf hat einen großen Vorteil: Die Erde trocknet zwischen den Wassergaben gleichmäßig ab, und die Wurzeln füllen ihn schnell aus. In einem riesigen Topf würde ein Keimling dagegen in viel nasser Erde stehen, die er noch gar nicht nutzen kann.

  1. Topf vorbereiten: Den Topf mit Erde füllen, leicht anfeuchten und in der Mitte eine Mulde in der Größe des Jiffys formen.
  2. Jiffy einsetzen: Den Jiffy samt Netz in die Mulde setzen. Das Netz muss nicht entfernt werden, die Wurzeln wachsen hindurch.
  3. Gerne etwas tiefer: Ist der Stängel lang und dünn geworden, kann die Pflanze ruhig etwas tiefer sitzen, bis knapp unter die Keimblätter. Das gibt Halt.
  4. Auffüllen und angießen: Rundherum mit Erde auffüllen, nur leicht andrücken und vorsichtig angießen.

In diesem Topf bleibt die Pflanze, bis auch er gut durchgewurzelt ist, meistens wieder etwa zwei Wochen. Dann geht es weiter in die Autopots. Dazu folgt bald ein eigener Beitrag.

Auch im 0,5-Liter-Topf ist Übergießen der Klassiker. Lieber kleinere Mengen und erst dann wieder gießen, wenn der Topf deutlich leichter geworden ist. Dabei nicht nur direkt am Stängel gießen, sondern im Kreis um die Pflanze herum. So wachsen die Wurzeln dem Wasser hinterher nach außen.

Licht: weniger ist am Anfang mehr

Von Anfang an läuft bei mir der Lichtzyklus 18:6, also 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit. Damit bleiben die Pflanzen sicher im Wachstum, und die dunkle Phase gibt ihnen eine Pause.

  • Beim Einweichen braucht der Samen kein Licht. Das Glas steht im Dunkeln.
  • Im Jiffy reicht den Keimlingen wenig Licht. Eine starke LED auf voller Leistung kann sie regelrecht verbrennen oder austrocknen. Deshalb wird am Anfang stark heruntergedimmt. Als grober Richtwert gelten für Keimlinge etwa 100 bis 250 µmol/m²/s (PPFD).
  • Im 0,5-Liter-Topf kann die Intensität langsam steigen, auf etwa 250 bis 400 µmol/m²/s.

Wie viel Licht wirklich ankommt, hängt von Lampe, Dimmstufe und Abstand ab. Am besten misst man es mit einem Lichtsensor oder einer PAR-Messung, statt sich auf die Prozentanzeige am Dimmer zu verlassen. Die Pflanzen selbst zeigen dir aber auch, ob es passt:

  • Zu wenig Licht: Der Keimling vergeilt. Er schießt mit einem langen, dünnen Stängel nach oben, kippt leicht um und hat große Abstände zwischen den Blättern.
  • Zu viel Licht: Die Blätter werden hell, gelblich oder bekommen trockene Ränder, die Blattspitzen rollen sich nach oben.
  • Genau richtig: Kurzer, kräftiger Stängel, dunkelgrüne Blätter und eng beieinander liegende Blattpaare.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Keimlinge mögen es warm und feucht. Ihre Wurzeln sind noch winzig und können nur wenig Wasser nachliefern. Ist die Luft zu trocken, verdunsten die Blätter mehr, als die Wurzeln aufnehmen können.

  • Temperatur: tagsüber ideal 22 bis 26 °C, in der Dunkelphase möglichst nicht unter etwa 20 °C.
  • Luftfeuchtigkeit im Jiffy: etwa 70 bis 80 %.
  • Luftfeuchtigkeit im 0,5-Liter-Topf: langsam etwas herunter, auf etwa 65 bis 75 %.

Wer es genauer möchte, schaut auf den VPD, das Dampfdruckdefizit. Er fasst Temperatur und Luftfeuchte zu einem Wert zusammen und beschreibt, wie stark die Luft an der Pflanze „zieht“. Für Keimlinge gilt ein niedriger Bereich von etwa 0,4 bis 0,8 kPa als gut. Mein AC-Infinity-Controller zeigt den VPD direkt an, das macht die Kontrolle sehr einfach.

Aber Vorsicht: feucht heißt nicht nass. Steht die Luft, und ist das Substrat dauerhaft nass, haben Pilze leichtes Spiel. Gefürchtet ist die Umfallkrankheit: Der Stängel wird direkt über der Erde dünn und dunkel, und der Keimling kippt um. Frische Luft und nicht zu viel Wasser sind der beste Schutz.

Tipps, um Temperatur und Feuchte zu halten

  • Nicht auf den kalten Boden stellen. Gerade im Keller oder im Winter zieht die Kälte von unten in die Töpfe. Eine Styroporplatte, eine Holzplatte oder ein kleines Regal darunter macht schon einen spürbaren Unterschied.
  • Heizmatte mit Thermostat. Eine Anzuchtheizmatte wärmt gezielt von unten, genau dort, wo die Wurzeln sitzen. Wichtig ist ein Thermostat mit Fühler, sonst wird es schnell zu warm.
  • Anzuchtgewächshaus oder Haube. Ein kleines Gewächshaus mit Deckel hält Wärme und Feuchtigkeit bei den Keimlingen, ohne dass man gleich das ganze Zelt befeuchten muss. Den Deckel einmal täglich kurz lüften und ihn nach und nach weiter öffnen, damit sich die Pflanzen an die normale Luft gewöhnen.
  • Abluft drosseln. Solange die Pflanzen klein sind, brauchen sie wenig Luftaustausch. Läuft der Abluftlüfter auf hoher Stufe, zieht er Wärme und Feuchtigkeit aus dem Zelt. Ein Controller, der die Lüfterleistung nach Temperatur und Luftfeuchte regelt, nimmt einem diese Arbeit ab.
  • Luftbefeuchter nutzen. Wenn die Luft zu trocken ist, hilft ein Luftbefeuchter, der über den Controller nach Zielwert läuft. Ganz einfach geht es auch mit einer Schale Wasser oder einem feuchten Tuch im Zelt.
  • Lichtphase in die Nacht legen. Die Lampe erzeugt auch Wärme. Im Winter kann man die 18 Stunden Licht so legen, dass sie in die kälteste Zeit fallen. Im Sommer genau umgekehrt: Die Dunkelphase liegt dann am Tag, wenn es draußen am heißesten ist.
  • Zimmerwarmes Wasser. Gießwasser vorher einige Stunden stehen lassen, damit es Raumtemperatur hat. Kaltes Wasser schockt die Wurzeln.
  • Keine Zugluft. Ein Ventilator, der direkt auf die Keimlinge bläst, trocknet sie aus und kühlt sie ab. Eine leichte Luftbewegung im Raum reicht.
  • Messen statt schätzen. Ein Thermo-Hygrometer auf Höhe der Pflanzen zeigt, wie es dort wirklich aussieht. Oben im Zelt kann es deutlich wärmer sein als unten bei den Keimlingen.

Häufige Fehler am Anfang

  • Zu viel Wasser: Der mit Abstand häufigste Fehler. Die Wurzeln brauchen auch Luft.
  • Zu viel Licht zu früh: Die Lampe läuft auf voller Leistung, und die Keimlinge verbrennen.
  • Zu wenig Licht: Die Keimlinge vergeilen und werden lang und instabil.
  • Zu früh düngen: Jiffy und vorgedüngte Erde liefern in den ersten Wochen genug. Zusätzlicher Dünger verbrennt die feinen Wurzeln eher, als dass er hilft.
  • Zu lange im Jiffy lassen: Die Wurzeln verknoten, und die Pflanze stockt im Wachstum.
  • Ungeduld: Ständig nachschauen, Jiffy anheben, Erde drücken. Am Anfang hilft es den Pflanzen am meisten, wenn man sie in Ruhe lässt.

Wie es weitergeht

Ist der 0,5-Liter-Topf nach etwa zwei Wochen gut durchgewurzelt, haben die Pflanzen meist schon drei bis vier Nodien, also Blattetagen. Dann ziehen sie in die großen Autopots um. Wie ich dabei vorgehe, erkläre ich im nächsten Grow-Beitrag. Wie das Autopot-System funktioniert, kannst du schon jetzt in meinem Beitrag über Autopot und AirDome nachlesen, und mein komplettes Equipment findest du unter Mein Setup.

Hinweis: Ich baue ausschließlich im gesetzlichen Rahmen des KCanG an und gebe nichts weiter. Dieser Beitrag dient nur der Information über Technik und Erfahrungen und ist keine Werbung. Mehr dazu auf meiner Seite Grow.

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