Kaum ein Thema taucht in Grow-Foren so oft auf wie CalMag. Gelbe Blätter, rostige Flecken, verkrüppelte Triebspitzen, und schnell heißt es: „Gib CalMag dazu.“ Manchmal stimmt das, manchmal nicht. In diesem Beitrag erkläre ich, wofür die Pflanze Calcium und Magnesium braucht, warum dein Wasser dabei die größte Rolle spielt und wie du die Werte mit einfachen Mitteln anpasst.
Was ist CalMag überhaupt?
CalMag ist kein eigener Nährstoff, sondern ein Zusatz, der zwei Nährstoffe liefert: Calcium (Ca) und Magnesium (Mg). Meistens kommt er als Flüssigkeit, die du ins Gießwasser gibst. Beide gehören zu den sogenannten Sekundärnährstoffen. Die Pflanze braucht sie weniger als Stickstoff, Phosphor und Kalium, aber deutlich mehr als Spurenelemente wie Eisen oder Zink.
Warum Calcium wichtig ist
Calcium ist das Baumaterial der Pflanze. Es steckt in den Zellwänden und macht sie stabil, außerdem brauchen es die Wurzel- und Triebspitzen, um neue Zellen zu bilden. Ohne genug Calcium wächst die Pflanze schwach, die Stängel bleiben dünn, und die Wurzeln entwickeln sich schlechter.
Wichtig ist, dass Calcium in der Pflanze kaum beweglich ist. Was einmal in einem Blatt eingebaut ist, kann sie nicht mehr in neue Triebe verlagern. Deshalb zeigt sich ein Calcium-Mangel zuerst an den neuen, oberen Blättern. Calcium wandert außerdem nur mit dem Wasserstrom von den Wurzeln nach oben. Verdunstet die Pflanze wenig, zum Beispiel bei hoher Luftfeuchte oder kühlen Temperaturen, kommt auch weniger Calcium oben an.
Warum Magnesium wichtig ist
Magnesium sitzt im Zentrum jedes Chlorophyll-Moleküls, also des grünen Blattfarbstoffs, mit dem die Pflanze Licht in Energie umwandelt. Ohne Magnesium keine Photosynthese. Außerdem hilft es vielen Enzymen bei der Arbeit und ist am Transport von Zucker beteiligt, gerade in der Blüte wird es also stark gebraucht.
Anders als Calcium ist Magnesium in der Pflanze beweglich. Fehlt es, holt sich die Pflanze das Magnesium aus den alten Blättern und gibt es an die neuen weiter. Ein Magnesium-Mangel zeigt sich deshalb zuerst an den unteren, älteren Blättern.
Das richtige Verhältnis
Es kommt nicht nur auf die Menge an, sondern auch auf das Verhältnis. Üblich ist ein Verhältnis von 3 : 1 bis 4 : 1, also drei- bis viermal so viel Calcium wie Magnesium. Calcium, Magnesium und Kalium konkurrieren an der Wurzel um die Aufnahme. Ist von einem zu viel da, nimmt die Pflanze die anderen schlechter auf. Mehr hilft also nicht automatisch mehr. Wer blind CalMag nachkippt, obwohl eigentlich nur Magnesium fehlt, kann damit sogar neue Probleme schaffen.
Warum es auf dein Wasser ankommt
Ob du CalMag brauchst und wie viel, hängt vor allem von deinem Ausgangswasser ab. Calcium und Magnesium sind genau die Stoffe, die Wasser „hart“ machen. Wie viel davon in deinem Leitungswasser steckt, hängt davon ab, woher es kommt. Wasser aus kalkreichem Boden ist meistens hart, Wasser aus Talsperren oder Gebieten mit Granitgestein eher weich. Schon zwei Orte, die nur ein paar Kilometer auseinander liegen, können völlig unterschiedliche Werte haben.
| Wasserquelle | Calcium und Magnesium | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Weiches Leitungswasser (unter 8,4 °dH) | wenig | CalMag ist oft nötig, besonders in der Blüte |
| Mittelhartes Leitungswasser (8,4 bis 14 °dH) | mittel | oft reicht wenig CalMag, manchmal fehlt nur eins von beiden |
| Hartes Leitungswasser (über 14 °dH) | viel, vor allem Calcium | meist kein CalMag nötig, eher fehlt etwas Magnesium |
| Osmose-, Regen- oder destilliertes Wasser | praktisch keins | CalMag ist Pflicht, sonst fehlen beide komplett |
Auch das Medium spielt mit. Kokos bindet Calcium und Magnesium und gibt dafür andere Stoffe ab, deshalb braucht es mehr davon als Erde. Bei Hydro-Systemen wie (R)DWC gibt es keinen Boden, der etwas puffern könnte, die Pflanze lebt komplett von deiner Nährlösung. Und viele Grower beobachten, dass Pflanzen unter LED mehr CalMag brauchen. LEDs geben weniger Wärme ab, die Pflanze verdunstet weniger und zieht damit auch weniger Calcium nach oben.
Mangel erkennen
| Calcium-Mangel | Magnesium-Mangel | |
|---|---|---|
| Wo zuerst? | neue, obere Blätter und Triebspitzen | alte, untere Blätter |
| Typisch | braune, rostige Flecken mit dunklem Rand, verkrümmte oder verkrüppelte neue Blätter | Blatt wird zwischen den Adern gelb, die Adern selbst bleiben grün |
| Später | Triebspitzen sterben ab, schwache Stängel, schlechte Wurzeln | braune Flecken, Blätter rollen sich ein und fallen ab |
| Häufig in | Wachstum und früher Blüte | mittlerer und später Blüte |
Bevor du CalMag nachdüngst, prüf den pH-Wert. Das ist der häufigste Fehler. Liegt der pH-Wert daneben, kann die Pflanze Calcium und Magnesium nicht aufnehmen, auch wenn genug im Wasser ist. Das nennt man Lockout. Die Symptome sehen dann genauso aus wie ein echter Mangel. In Erde sollte der pH-Wert grob zwischen 6,0 und 7,0 liegen, in Kokos und Hydro zwischen 5,5 und 6,5. Passen pH-Wert und EC, kannst du dir den Mangel als Nächstes vornehmen. Die Richtwerte für jede Woche findest du in meiner Anbau Werte Tabelle.
So passt du die Werte an
Du brauchst dafür kein Labor. Mit ein paar einfachen Mitteln bekommst du dein Wasser in den Griff.
- Wasserwerte herausfinden: Dein Wasserversorger veröffentlicht eine Trinkwasseranalyse, meistens auf seiner Website. Dort stehen Calcium und Magnesium in mg/l, oft auch die Gesamthärte in °dH. Zur Orientierung: 1 °dH entspricht etwa 7,1 mg/l Calcium. Wer Regen- oder Brunnenwasser nutzt, kann einen einfachen Härtetest aus dem Aquaristik-Bedarf nehmen.
- Fehlen beide: Dann ist ein fertiges CalMag-Präparat die einfachste Lösung. Es bringt Calcium und Magnesium im passenden Verhältnis mit. Bei Osmose- und Regenwasser ist das der Normalfall.
- Fehlt nur Magnesium: Das passiert oft bei hartem Wasser, das viel Calcium, aber wenig Magnesium hat. Hier reicht Bittersalz (Magnesiumsulfat) aus der Apotheke oder dem Gartencenter. Es ist günstig und leicht zu dosieren: 0,1 g pro Liter bringen knapp 10 mg/l Magnesium.
- Fehlt nur Calcium: Seltener, kommt aber vor. Dafür gibt es reine Calcium-Präparate, zum Beispiel Canna Mono Calcium.
- Ist dein Wasser sehr hart: Dann kannst du es mit Osmose- oder destilliertem Wasser verschneiden, bis die Werte passen. So kommst du auch mit der EC nicht so schnell an die Grenze.
Beim Mischen kommt CalMag am besten zuerst ins Wasser. Kurz umrühren, erst danach den restlichen Dünger dazugeben. Zum Schluss EC und pH messen und den pH-Wert einstellen. Ändere lieber in kleinen Schritten und beobachte die Pflanze ein paar Tage, statt gleich die volle Menge zu nehmen.
Schau auch auf deinen Basisdünger. Viele bringen schon Calcium und Magnesium mit, VBX zum Beispiel ist laut Hersteller extra damit angereichert. Dann brauchst du oft weniger CalMag oder gar keins. Wie viel VBX in welcher Woche dran ist, zeigt dir mein VBX+Shine Calculator.
Der CalMag-Rechner nimmt dir das Rechnen ab
Wie viel Bittersalz oder CalMag du genau brauchst, musst du nicht selbst ausrechnen. Dafür habe ich den CalMag-Rechner gebaut. Du trägst die Calcium- und Magnesium-Werte deines Wassers ein, wählst Verhältnis, Wassermenge, Medium und dein CalMag-Präparat aus. Der Rechner prüft dann zuerst, ob Calcium oder Magnesium fehlt, und gleicht das aus. Danach zeigt er dir für Wachstum, frühe und späte Blüte, wie viel CalMag in dein Gießwasser gehört. Er läuft komplett in deinem Browser, deine Werte werden nicht gespeichert oder verschickt.
Vorbeugen ist einfacher als beheben
- Kenn dein Wasser. Einmal die Trinkwasseranalyse anschauen spart dir viel Rätselraten.
- pH-Wert bei jedem Gießen prüfen. Ein stabiler pH-Wert verhindert die meisten „Mängel“, bevor sie entstehen.
- Von Anfang an richtig dosieren. Wer mit weichem oder Osmose-Wasser gießt, sollte CalMag ab der ersten Düngung einplanen und nicht erst, wenn die Blätter gelb werden.
- Klima im Blick behalten. Eine passende Luftfeuchte und Temperatur halten die Verdunstung in Gang, und damit auch den Calcium-Transport.
- Nicht überdüngen. Zu viel Kalium oder zu viel Dünger insgesamt blockiert die Aufnahme von Calcium und Magnesium genauso wie zu wenig.
Mein Fazit
CalMag ist kein Wundermittel, aber bei weichem Wasser, Osmose-Wasser, Kokos und LED-Licht oft genau das, was fehlt. Der wichtigste Schritt ist, dein Ausgangswasser zu kennen und den pH-Wert im Griff zu haben. Dann weißt du, ob du überhaupt etwas brauchst und ob es Calcium, Magnesium oder beides ist. Den Rest erledigt der CalMag-Rechner.
Hinweis: Ich baue ausschließlich im gesetzlichen Rahmen des KCanG an und gebe nichts weiter. Dieser Beitrag dient nur der Information über Technik und Erfahrungen und ist keine Werbung. Mehr dazu auf meiner Seite Grow.





