Kapitel 01

Das Whitepaper

Satoshis neun Seiten von 2008, Abschnitt für Abschnitt erklärt.

Am 31. Oktober 2008 schickte jemand unter dem Namen Satoshi Nakamoto eine E-Mail an eine Mailingliste für Kryptografie. Darin: ein Link zu einem neunseitigen Dokument mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“.

Die Idee in einem Satz: Geld, das direkt von Person zu Person geschickt wird, ohne dass eine Bank dazwischen steht. Statt einer Bank führen alle Teilnehmer gemeinsam ein öffentliches Kontobuch – und Rechenarbeit sorgt dafür, dass niemand darin schummeln kann.

Das Whitepaper erschien mitten in der Finanzkrise. Banken wurden mit Steuergeld gerettet, das Vertrauen in das Finanzsystem war erschüttert. Satoshi bot eine Alternative an, die auf Mathematik statt auf Vertrauen setzt.

Wer Satoshi ist, weiß bis heute niemand sicher. Ende 2010 zog sich Satoshi aus dem Projekt zurück. Das Netzwerk läuft seitdem ohne Gründer weiter – vielleicht eine seiner größten Stärken.

Das Whitepaper ist in zwölf Abschnitte gegliedert. Jeder baut auf dem vorherigen auf:

  1. Introduction: Online-Zahlungen brauchen Vertrauen in Finanzinstitute. Gesucht ist ein System, das auf kryptografischem Beweis statt Vertrauen beruht.
  2. Transactions: Eine Münze ist eine Kette digitaler Signaturen. Der Besitzer signiert den Hash der vorherigen Transaktion und den öffentlichen Schlüssel des Empfängers.
  3. Timestamp Server: Um Doppelausgaben zu verhindern, muss die Reihenfolge öffentlich feststehen. Blöcke werden gehasht und mit Zeitstempel verkettet.
  4. Proof-of-Work: Ein Hashcash-ähnliches Verfahren macht das Schreiben eines Blocks teuer. Die längste Kette (mit der meisten Arbeit) repräsentiert die Mehrheit.
  5. Network: Sechs Schritte – Transaktionen verbreiten, sammeln, Proof of Work suchen, Block verbreiten, prüfen, auf dem neuen Block weiterbauen.
  6. Incentive: Die erste Transaktion jedes Blocks erzeugt neue Coins für den Ersteller, später kommen Gebühren dazu. Ehrlich mitzuarbeiten lohnt sich mehr als Betrug.
  7. Reclaiming Disk Space: Dank Merkle-Baum können alte, verbrauchte Transaktionen gelöscht werden, ohne den Block-Hash zu brechen.
  8. Simplified Payment Verification: Leichte Clients brauchen nur die Block-Header und einen Merkle-Pfad, um eine Zahlung zu prüfen.
  9. Combining and Splitting Value: Transaktionen haben mehrere Ein- und Ausgänge – inklusive Wechselgeld.
  10. Privacy: Öffentliche Schlüssel sind pseudonym. Für jede Zahlung soll ein neues Schlüsselpaar verwendet werden.
  11. Calculations: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angreifer mit weniger Rechenleistung aufholt, sinkt exponentiell mit jedem weiteren Block.
  12. Conclusion: Ein System für elektronische Transaktionen ohne Vertrauen in Dritte.

Bemerkenswert: Das Wort „Blockchain“ kommt im Whitepaper nicht vor. Satoshi spricht von einer „chain of blocks“. Die erste Software (Version 0.1) folgte am 9. Januar 2009.

Lesetipp

Das Whitepaper ist kurz und gut lesbar. Das Original findest du unter bitcoin.org/bitcoin.pdf.

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