Kapitel 00

Vorgeschichte

Cypherpunks, DigiCash, Hashcash, b-money und Bit Gold – die Ideen vor Bitcoin.

Bitcoin ist nicht aus dem Nichts entstanden. Schon in den 1980er-Jahren fragten sich Informatiker: Kann es digitales Bargeld geben – Geld, das man im Internet so privat weitergeben kann wie einen Geldschein über den Tresen?

Das große Problem: Digitale Dateien lassen sich beliebig kopieren. Was hindert mich daran, dieselbe digitale Münze zweimal auszugeben? Bis 2008 lautete die Antwort immer: eine zentrale Stelle, die Buch führt – also wieder eine Bank.

Eine Gruppe von Programmierern und Kryptografen, die sich ab 1992 „Cypherpunks“ nannte, wollte das ändern. Sie glaubten, dass Privatsphäre im digitalen Zeitalter nur mit Verschlüsselung zu schützen ist – und dass man dafür Code schreiben muss, statt auf Gesetze zu warten.

Aus diesem Umfeld kamen viele Bausteine, die Bitcoin später zusammengesetzt hat: anonymes E-Geld, Rechenarbeit als Kostenfaktor und die Idee eines gemeinsam geführten Kontobuchs. Jeder Versuch scheiterte an einem Punkt – bis Satoshi Nakamoto die Teile neu kombinierte.

Den Kern des Problems beschreibt das Double-Spending-Problem: Ohne zentrale Instanz muss sich ein offenes Netzwerk auf eine Reihenfolge von Transaktionen einigen, obwohl einzelne Teilnehmer lügen oder ausfallen können. Das ist eine Variante des Problems der byzantinischen Generäle, das Leslie Lamport und Kollegen 1982 formuliert haben.

Die wichtigsten Vorläufer und was sie beigetragen haben:

  • David Chaum – blinde Signaturen (1982) und DigiCash (1989): Eine Bank signiert Münzen, ohne zu sehen, wem sie gehören. Privat, aber zentral – mit der Insolvenz von DigiCash 1998 war das System am Ende.
  • Adam Back – Hashcash (1997): Gegen Spam muss der Absender einen Hash mit einer bestimmten Anzahl führender Null-Bits finden. Das kostet Rechenzeit, die Prüfung nicht. Genau dieses Prinzip übernimmt Bitcoins Proof of Work.
  • Wei Dai – b-money (1998): Alle Teilnehmer führen ein gemeinsames Kontobuch, neues Geld entsteht durch das Lösen von Rechenaufgaben. Das Whitepaper zitiert b-money als erste Quelle.
  • Nick Szabo – Bit Gold (ab 1998): Proof-of-Work-Lösungen werden mit Zeitstempeln verkettet und als knappes digitales Gut behandelt.
  • Hal Finney – RPOW (2004): Wiederverwendbare Proof-of-Work-Token, abgesichert durch einen Server mit vertrauenswürdiger Hardware – aber eben noch mit Server.

Keines dieser Systeme löste die Einigung ohne vertrauenswürdige Partei. Bitcoins Durchbruch war, Proof of Work nicht nur als Kosten-, sondern als Abstimmungsmechanismus zu nutzen: Die Kette mit der meisten Arbeit gilt.

Merke

Digitales Geld scheiterte jahrzehntelang an der Frage, wer ohne Bank verhindert, dass Geld doppelt ausgegeben wird. Bitcoin baut auf diesen Versuchen auf und löst genau diese Frage.

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